Autor: Jürgen Wolf

Du hast nichts dafür getan

Ich schreibe diesen Text für dich. Nicht für die, die sowieso schon nachdenken. Für dich, der oder dem das alles hier einfach ziemlich egal ist. Die und der bei „Humanismus“ innerlich abschaltet, weil das nach Gutmenschentum klingt, nach Sonntagsrede, nach jemandem, der was verkaufen will. Für dich, die/der durch die Welt geht und sich nie gefragt hat, warum du oben stehst und andere halt nicht. Also, ganz konkret: Du bist hier geboren. Nicht dort. Hier, wo eine Mutter in der Schwangerschaft zum Arzt gehen konnte, statt zu hoffen, dass es schon irgendwie gutgeht. Wo es sauberes Wasser aus der Leitung gab, keine Frage, kein Kampf, einfach da. Wo niemand entscheiden musste, welches Kind heute zu essen bekommt und welches nicht. Du hast das nicht verdient. Du hast dafür nichts getan. Du warst noch nicht mal geboren, als diese Würfel gefallen sind. Der Trick, den du dir selbst erzählst Ich kenne den Trick. Ich falle selbst manchmal drauf rein. Der Trick geht so: Wenn es mir gut geht, dann liegt das an mir. An meinem Fleiß, …

Humanismus ist nicht verhandelbar

Ich verbringe mal wieder paar Tage am See. Für mich besonders schöne Momente, dem Hamsterrad mal für ein paar Tage zu entfliehen, ohne Computer, kein iPad, mit lieben Menschen Zeit verbringen und sich dabei auch ein bisschen nützlich machen. Ich habe mir den Spitznamen Malermeister verdient, weil ich zwischen Virgin White, Danish White, Taubenblau und Caribbean Blue schon viel Farbe verstrichen habe oder auch einfach nur den „Lasör“ gegeben habe, wenn ich frisch verarbeitete Holzbalken gegen Witterungseinflüsse lasierte. Für mich haben diese Anstreicherarbeiten auch durchaus etwas meditatives, da bin ich angelernte Hilfskraft, die versucht, einen vermeintlich einfachen und anspruchslosen, langweiligen, Job so gut wie möglich zu machen. Und während ich so mit dem Pinsel hin und her streiche, lass‘ ich meinen Gedanken freien Lauf…

Kama Muta trifft Werbung

Thomas Schubert saß im Kino, neben sich seine Tochter, auf der Leinwand lief „Transformers“. An die Szene erinnert er sich nicht mehr. Nur an das Gefühl: ein wohliges Kribbeln im Bauch, Tränen, weil es plötzlich so schön war. Der Psychologe aus Oslo beschloss, diesem Gefühl auf den Grund zu gehen – und stieß dabei auf ein Phänomen, das mich aktuell schwer fesselt. Und je länger ich mich damit beschäftige, desto klarer erkenne ich das Muster: Kama Muta Werbung, wohin ich schaue. Das Gefühl, das jetzt einen Namen hat Gemeinsam mit der Psychologin Beate Seibt und dem Anthropologen Alan Fiske aus Los Angeles durchsuchte Schubert die Wortschätze mehrerer Sprachen nach einem passenden Begriff für diesen Kinomoment. Duden, Oxford Dictionary, Altgriechisch, Latein – nirgends ein Treffer. Fündig wurden sie erst im Sanskrit: Kama Muta (काममूत), „von Liebe bewegt“. Zehn Jahre ist das inzwischen her, mehr als 30 Studien auf Pubmed tragen den Begriff heute im Titel. Kama Muta, das ist das plötzliche Gefühl von Nähe, Zugehörigkeit oder Verbundenheit, das uns überkommt, wenn wir Liebe oder Güte beobachten …

Projektmanagement Grundlagen: Die Serie im Überblick

Oder: Fünf Teile, ein Gedanke Projektmanagement für Anfänger klingt nach Widerspruch – entweder man kann es, oder man fängt gerade erst an. Genau darum geht diese Serie: Ob Kunde, Neukunde oder ehrenamtlich im Vorstand – wer ein Projekt angeht, tut das selten mit Ausbildung dafür. Die gute Nachricht: Man braucht auch keine. Man braucht nur die richtige Reihenfolge.

Verantwortung, nicht Verwaltung

Oder: Lebenszeit gegen irgendwas Fünf Schritte machen aus einer Idee ein Projekt, hieß es im letzten Teil. Was sie nicht von selbst leisten: Verbindlichkeit im Projekt – dass jemand dafür geradesteht, wenn es hart auf hart kommt. Darum geht es jetzt – und darum, wie die ganze Serie zusammenhält. Der Satz, der alles auf den Punkt bringt Ein Kollege hat mal gesagt: „Die ganze Veranstaltung hier heißt Lebenszeit gegen Geld.“ Klingt hart. Ist aber wahr – und gilt weiter, als der Satz zunächst klingt. Bei einem Kundenprojekt ist es Geld. Im Ehrenamt ist es Vertrauen, Anerkennung, das gute Gefühl, gebraucht zu werden. Aber in jedem Fall: Du tauschst deine Zeit – das Einzige, was du wirklich hast – gegen etwas anderes. Auf der einen Seite: deine Zeit. Auf der anderen Seite: was auch immer du dafür bekommst. Und dazwischen: eine Vereinbarung. Ob schriftlich oder nicht. Verbindlichkeit im Projekt: auch ohne Vertrag Bei einem Kundenauftrag steht schwarz auf weiß, was geliefert wird. Solange alles gut läuft, interessiert das niemanden. Aber sobald es kriselt, zieht jemand den …

Das Unvollendete: Warum Projekte im Sand verlaufen

Oder: Wie aus einer guten Idee ein schlechtes Gefühl wird Projekte scheitern selten laut. Im letzten Teil ging es um die Vorgeschichte eines Projekts – darum, wie man als Außenstehender rekonstruiert, was vor einem passiert ist. Aber warum passiert überhaupt so oft dasselbe? Warum verlaufen Projekte im Sand, obwohl am Anfang alle wollten? Die Antwort ist unbequem: Meistens hat niemand etwas falsch gemacht. Es wurde nur nie richtig angefangen. Die kühne These Projektmanagement wird unterschätzt. Besonders im Berufsleben, wenn es fernab der eigentlichen Kernkompetenz stattfindet. Aber auch besonders im Ehrenamt. Egal, welchen Vorstandsposten, welchen Fachbereich jemand übernimmt – die wenigsten haben sich in ihrem bisherigen Leben je mit professionellem Projektmanagement beschäftigt. Und dann beginnt ein Projekt. Ohne Plan, ohne Struktur, aber mit viel gutem Willen. Der Fehler, der sich sympathisch anfühlt Der häufigste Fehler: sofort mit der Umsetzung anfangen. Aktionismus statt Organisation. Das ist verständlich. Machen fühlt sich nach Fortschritt an. Planen fühlt sich nach Verzögerung an. Wer plant, hat scheinbar noch nichts geschafft. Wer loslegt, kann wenigstens vorzeigen, dass etwas passiert. Nur: Organisation und …

Warum „Wir müssen mal“ noch kein Projekt ist

Oder: Was zwei Sätze über den Beginn eines Projekts verraten Wer ein Projekt starten will, sagt das selten so direkt. Anfragen erreichen mich auf allen möglichen Wegen – telefonisch, per E-Mail, über das Kontaktformular, über Social Media. Und egal, auf welchem Kanal: Diese Serie widme ich Anfragen (im geschäftlichen Umfeld) oder auch Gesprächen (im Ehrenamt), die mit einem dieser Wort beginnen:

Manifest der Handlungsmacht

Ich handle, und manches gelingt aus Gründen, die ich nicht vollständig kontrolliere. Aber die Angst zu Scheitern, darf mich nicht lähmen, darf nicht Grund sein, erst gar nicht anzufangen. Aus einem kostbaren Gespräch motiviert versuche ich hier mal mein „Manifest der Handlungsmacht“. Denn so einfach ist der Unterschied: Nicht zwischen Erfolg und Scheitern. Sondern zwischen Handeln und Warten.