Heutebuch
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Andy Merrifield | Die Weisheit der Esel

Zuletzt aktualisiert am 29. Dezember 2021 um 14:49

Heutebuch Nummer vier: Hätte ich doch das Buch „Die Weisheit der Esel“ gelesen, bevor ich 2018 mit Eseln durch die Südpfalz wanderte.

Dann hätte ich noch mehr zu über die Weisheit der Esel gewusst und noch mehr Verständnis für sie gehabt.
Wobei – noch mehr hätte ich sie auch kaum in mein Herz schließen können.

Die Reise an sich begann für meine Verhältnisse recht aufwendig: Für gerade mal gut eine Woche bekamen wir ein halbes Jahr vorab Packlisten für unsere Rucksäcke nebst Auflistungen, was denn da rein soll, muss und darf. Mit jeweiligen Angaben der Inhalte in Gramm plus Addition als Checkliste und jede Tipps zu Bekleidung und Ernährung etc. Die Rucksäcke waren riesig und wir trainierten fleißig an Wochenenden vorher mit jeder Menge vollen Wasserflaschen als Gewichtsersatz.

Ich lese dieses Buch im Oktober 2021. Aus heutiger Sicht wäre ich vielleicht besser nicht in einer Gruppe durch die Pfalz, sondern alleine durch die Auvergne gewandert.
Aber das ist eine andere Geschichte.

© 2008 by Andy Merrifield. Die Originalausgabe »The Wisdom of Donkeys. Finding Tranquility in a Chaotic World«
© für die deutschsprachige Ausgabe Nymphenburger in der FA. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München, 2009
ISBN 978-3-485-01218-8

Untertitel: Ruhe finden in einer chaotischen Welt

Buchrücken
„Ein Esel ist nicht stur, er lässt sich nur zu nichts zwingen. Er weiß, was gut für ihn ist, wann er bereit ist für den nächsten Schritt.
Andy Merrifields einzigartige Reise zu Fuß durch die Auvergne ist eine Reise zu sich selbst. Sein treuer Begleiter: Gribouille, ein Esel. Dessen Intuition weist den Weg – über enge Bergpfade ebenso wie zu den Wahrheiten des Lebens. Mit seiner stoischen
Ruhe, Gelassenheit und Unschuld wird er zum Lehrer seines Weggefährten.
Voller Wärme beschreibt Andy Merrifield die Weisheit der Esel, die ihn lehrt, wieder im Moment zu leben und zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben.“

»… ein Klassiker der Entschleunigungs-Literatur.«

THE TIMES

„Manchmal erreicht man einen Punkt im Leben, an dem sich um jeden Preis etwas ändern, an dem etwas Neuem Platz gemacht werden muss, wenn einem die Welt, die von allen als das einzig Wahre gefeiert wird, völlig falsch erscheint, wenn es schwerfällt, weiterhin in ihr zu funktionieren. Man fühlt sich überrollt, enttäuscht von dem, was ist. Man hat das Bedürfnis, einen Schritt zurückzutreten, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, zu ergründen, wo man im Leben steht und wohin die Reise gehen soll, was falsch läuft oder so nicht funktioniert. Ein schwieriges Unterfangen: einer Situation entfliehen, bevor es zu spät ist.“ (S. 50)

„Ich setze mich auf meine Decke. Ich habe ein kleines Fleckchen Erde gefunden, wo man in Frieden das Essen genießen kann. Das ist heute nicht mehr so einfach; es gibt kaum noch friedvolle Fleckchen Erde.“ (S. 53)

Die Weisheit der Esel

„Esel werden sowohl im Alten und Neuen Testament als auch im Koran in positivem Licht dargestellt. Sie gelten als loyale und intelligente Geschöpfe, als Träger der Weisheit, als vertrauenswürdige Reittiere von Propheten, manchmal klüger als die Propheten selbst. In der Bibel und im Koran werden sie kein einziges Mal als dumm bezeichnet, als »Esel« in dem Sinne, wie man das Wort heute oft missbraucht.“ (S. 81)

„Es mag banal sein, zu behaupten, dass die Vorstellung von Glück, das Glück eines anderen Menschen, nicht das Gleiche ist wie reales Glück, gelebtes Glück, das voll ausgeschöpft wird. Aber so ist es. Echtes Glück erwartet uns an unerwarteten Orten, durch eine überraschende Wende des Schicksals, durch Ehrlichkeit zu uns selbst. Das schnell erreichte, eng gesteckte Ziel versagt uns dieses Glück, denn es ist normalerweise eine Lüge, reiner Selbstbetrug.“ (S. 93)

„Doch dieses Mal eskalierte die Situation nicht, weil ich Ruhe bewahrt hatte. Ich hatte meinen Weg fortgesetzt, langsam, umsichtig und trittsicher wie ein Esel. Die Pferde hatten das vermutlich gespürt und Gribouille mit Sicherheit auch. Er ging mit mir, weil er sich sicher fühlte. Er beschützte mich und wusste, dass ich ihm ebenfalls Schutz bot. Dieses Mal hatte er nicht das Bedürfnis gehabt, wegzulaufen, der Gefahr zu entfliehen. Er lehrte mich Ruhe und Gelassenheit und ich zeigte ihm, wie man mit ebendieser Ruhe und Gelassenheit Probleme löst.

Weglaufen ist eine natürliche Verhaltensweise für Esel, wenn sie sich einer Bedrohung gegenübersehen; der gleiche Impuls macht sich auch beim Menschen bemerkbar, wenn es ihm schwerfällt, sich einer Angst einflößenden Situation zu stellen und auszuharren.

Ausharren entspricht nicht den Instinkten eines Esels und die Evolution hat mit Spezies, die erstarren, wenn sich ein Raubtier nähert, kurzen Prozess gemacht. Doch wenn man einem Esel beibringt auszuharren, ihm zeigt, dass er nichts zu befürchten hat, wenn man ihn begleitet, Körperkontakt herstellt, sich langsam mit ihm fortbewegt, zeigt man ihm, dass sich eine beängstigende Situation auflösen kann, wenn man sich ihr stellt oder darauf verzichtet wegzulaufen.

Es ist eine Situation, in der alle Beteiligten gewinnen, wenn wir gemeinsam an der Lösung arbeiten. Ich überlasse mich Gribouilles Führung und er vertraut meinem Urteil, teilt meine Zuversicht, ein spürbarer Austausch findet statt. Wir werden zu einer harmonischen Einheit. Ich richte meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Esel, auf die Schritte, die unsere Zusammenarbeit fördern, uns der Lösung des Problems näherbringen. Ich überstürze nichts.

Hier und Jetzt

Ich beginne, die Wesensart eines Esels nachzuahmen, einen Zustand der stillen Leere statt der leeren Stille zu erreichen; das Gefühl, dass alles, was ich am Leibe trage, mein ganzes Hab und Gut, unwichtig ist. Ich konzentriere mich mit ihm, an seiner Seite, auf das Wesentliche. Weder Zukunft noch Vergangenheit zählen, nur das , die uneingeschränkte Gegenwart. Ich bin nackt wie er: ein Esel, der keine Kleider trägt, der kein Geld besitzt, der isst und trinkt, der das Leben in seinem eigenen Tempo, auf seine eigene Art bewältigt. Ich bin der, der ich in diesem Augenblick bin, nicht mehr und nicht weniger, ein einzelnes Ich. Wenn man sich gestattet, in diese Welt der Esel einzutauchen, mit kleinen Schritten und langsamen tiefen Atemzügen seinen Weg geht, gewinnen Ruhe und Gelassenheit ganz automatisch die Oberhand. Alles geschieht mit Klarheit, Einfachheit und Entschlossenheit – wie das Grasen auf einer Wiese voll Löwenzahn.“ (S. 117 f.

„Menschen sind da anders: Sie begeben sich oft wider besseren Wissens auf einen Weg, der ihren wahren Interessen widerspricht, lassen sich überreden, verführen, folgen ihrem Herdentrieb. Es ist für gewöhnlich einfacher, sich führen zu lassen und zu folgen, als den eigenen Weg zu finden, den man wirklich gehen will und der der richtige zu sein scheint.“ (S.146)

Kategorie: Heutebuch

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Mein Blog trägt nicht ohne Grund den Zusatz: aus-dem-Leben-eines-fast-ALLES-ein-bisschen-KÖNNERS. Ich gehöre zu den Autodidakten, die alles erst einmal selber machen müssen, um zu verstehen, was wie geht, wer was u. U. besser kann und resultierend was wie lange dauert und kostet. Klingt anstrengend – ist es auch. Aber macht enorm fit und verbindlich. Ich weiß, wovon ich rede. Und das mögen Kunden, wenn sie mich was fragen und schnell eine anständige Antwort kriegen ;-)

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