Bestatter, Damals, Fotografie, Große Stunden, Heiner, Neulich auf dem Friedhof in…, Praxis trifft Theorie
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Neulich auf dem Friedhof in – Hamburg Ohlsdorf

Zuletzt aktualisiert am 20. April 2015 um 17:53

Wir Künstler gehen ja schon immer gern auf den Friedhof. Friedhöfe strahlen meist weit mehr aus als nur den morbiden Charme des Vergänglichen, Vergangenen, nicht mehr Lebendigen. Im Gegenteil: Ich zum Beispiel genieße vor allem – ja was denn?
In erster Linie die Natur: wieselflinke, neugierige Eichhörnchen lunsen putzmunter hinter mächtigen Baumstämmen hervor, die Vögel zwitschern in allen Stimmlagen, unterschiedliche Moose trotzen jedem Werkzeug der längst selten gewordenen Friedhofsgärtner, die Sonne wirft ihre ersten Frühlingsstrahlen durch uralten Baumbestand – wunderschöne Bilder, wohin man schaut.
Außer Natur – nur Ruhe.
Und wenn mal eine ältere Dame über zwei, drei Gräber hinweg mit einer anderen ein Schwätzchen hält, ist das auch nicht störend. Im Gegenteil: Das ist keine Unterbrechung der Ruhe, sondern lebendige Ergänzung. Das Leben auf dem Friedhof macht den Gesamteindruck erst komplett, das Ganze vollständig erfassbar.

Tod und Leben in trauter Eintracht

Ja, es ist der Einklang von Vergangenem – wenn auch gepaart mit wehmütigen Erinnerungen und Verlusten – in lebensbejahender Eintracht mit denen, die „zurück geblieben sind“, die diese einzigartige Atmosphäre bilden. Und damit die nicht ganz so trist und trostlos daher kommt, gibt es echte, zwischenmenschliche Kontakte Gleichgesinnter und eine anständige Portion Naturerlebnis kostenlos obendrauf.

Schule auf dem Friedhof

Im Gymnasium konnten wir aus vielen Klassenräumen die lange Friedhofsmauer des Alten Friedhof in Darmstadt sehen. Vom Kunstsaal sogar darüber hinaus auf die Gräber. Daran haben wir uns ohne groß nachzudenken in Unter- und Mittelstufe gewöhnt. Aber dann haben wir im Kunst-Leistungskurs der Oberstufe (Danke Jan Thorbecke) quasi die Seiten gewechselt, gingen hinüber auf den Friedhof für Zeichen- und Fotografieübungen und blickten über die Mauer hinweg auf unser Schulgebäude.

Lernen nach der Schule

Erst jetzt, wo ich mich beruflich intensiv mit Sterben und Tod beschäftige, fallen mir die vielen ruhigen Kunst-Leistungskurs-Stunden aus meiner Schulzeit auf dem Friedhof wieder ein. Denn neben all den „professionellen“ Themen rund um Bestattung und Beisetzung gehe ich immer häufiger auf einen Friedhof, egal wo. Oft nur für eine kurze Pause im dann doch häufig turbulentem Arbeitstag. Ich gehe nur für mich dahin, für meine Gedanken, meine Erinnerungen. Und manchmal auch für Gegenwart und Zukunft: Situationen im Bild festhalten, anderen zu erhalten und damit eine Freude machen. Das konnte ich schon in jungen Jahren ganz gut. Deshalb habe ich auch heute statt Stift und Block meist eine Kamera dabei. Denn Fotografieren kann ich einfach besser als zeichnen 😉

Grösster Parkfriedhof der Welt: Hamburg Ohlsdorf

Bei meinem letzten Spaziergang auf dem legendären Friedhof in Hamburg Ohlsdorf entstand die Idee, dieses Thema in meinem Blog aufzunehmen und ebenso die nachfolgenden Bilder, wenn auch nur als vorläufig kleiner Ausschnitt. Wichtiger Hinweis für alle, die den Ohlsdorfer Friedhof nicht kennen: Auf diesem Friehof gibt es nicht nur separate Fahrradwege (also: Fahrrad fahren erlaubt!) und Straßen, sondern sogar jede Menge Bushaltestellen und (12?) Kapellen. Nach gut einer Stunde habe ich meinen Sonntagsspaziergang abbrechen müssen, gefühlt vier Stunden vor dem Grab von Heinz Erhardt. Aber Heinz, ich komme wieder!

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