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Hoffnung ist eine Entscheidung

Hoffnung ist kein Gefühl – Hoffnung ist eine Entscheidung

Geburtstage haben die — manchmal unangenehme — unangenehme Eigenschaft, ehrlich zu sein. Nicht nur wegen der Anzahl Kerzen auf dem Kuchen — die zähle ich schon lange nicht mehr — sondern wegen der Dinge, die Menschen sagen, wenn sie das Gefühl haben, jetzt darf es einfach mal raus.

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Jahrgang 63 wird 63 — und macht sich keine Sorgen dabei

Heute ist es soweit. Ich, Jürgen, Jahrgang 63, werde 63 Jahre alt. Addiert man beides, kommt man auf 126. Das ist ein Witz, den man nicht verstehen muss, weil es eigentlich auch gar nicht witzig ist. Aber er ist meiner, schwirrt mir schon länger durch den Kopf und ich nehm‘ ihn einfach mit.

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Unbequeme Bequemlichkeit

Das Bild sagt eigentlich alles. Erschöpfte Beine ausgestreckt, Rücken gegen Holzstämme, NaLa daneben mit der Zunge draußen — sie ist übrigens genauso kaputt wie ich. Wer das sieht, denkt: bequem. Stimmt auch. Aber es ist verdiente Bequemlichkeit, und das ist ein ziemlich wichtiger Unterschied.

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Das kleine Hamsterrädchen und die Wissenschaft vom Umherschweifen

Das Hamsterrad kenne ich gut. Nicht als abstraktes Gesellschaftsphänomen, sondern als Haushaltsgegenstand mit eigenem Spitznamen. Wir nannten es es manchmal das kleine Hamsterrädchen — liebevoll, ein bisschen selbstironisch, weil wir wussten, dass auch wir nicht vollständig davon freigekommen waren. Wer kommt schon vollständig davon frei?

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Ausloggen. Für immer. Oder wenigstens ein bisschen.

Manchmal stehe ich bewusst im Regen. Heute zum Beispiel.

(Beitragsbild: Blick auf Mathildenhöhe/Hochzeitsturm, Darmstadt, 11. Mai 2026, 11:50 Uhr · Quelle: foto-webcam.eu/webcam/darmstadt-ost)


Zwei Artikel haben mich heute Morgen erwischt. Nicht aufgeweckt — erwischt. Das ist ein Unterschied.

Der eine ist ein Interview, das die ZEIT mit Beti Hohler geführt hat, Richterin am Internationalen Strafgerichtshof. Eine Frau, die ihren Job gemacht hat — Recht gesprochen, Haftbefehle geprüft, Verfahren begleitet — und dafür von Donald Trump persönlich auf eine Sanktionsliste gesetzt wurde. Dieselbe Liste, auf der auch Hamas-Terroristen stehen. Innerhalb von 24 Stunden waren ihre Kreditkarten gesperrt, kurz danach Amazon, PayPal, Airbnb, schließlich ihre Apple-ID. Ihr Smartphone wurde unbrauchbar. Ihr Laptop. Alles, was an US-Infrastruktur hing.

Was sie darüber sagt, bleibt hängen: „Was heute noch funktioniert, funktioniert morgen vielleicht schon nicht mehr.“ (Beti Hohler, ZEIT Nr. 18/2026)

Der andere Artikel kommt von Perspective Daily. Dirk Walbrühl schreibt dort klug und ohne übertriebene Hysterie darüber, warum das, was Beti Hohler passiert ist, im Prinzip jeden treffen kann. Nicht weil alle auf Sanktionslisten landen. Sondern weil die Infrastruktur, auf die wir uns täglich verlassen — für Kommunikation, Arbeit, Geld, Identität — fast vollständig in den Händen weniger US-amerikanischer Konzerne liegt. Konzerne, die niemand gewählt hat und niemand abwählen kann. Und deren Eigentümer sich in den letzten Jahren politisch in eine Richtung entwickelt haben, die ich mal freundlich als „besorgniserregend“ bezeichnen möchte.

Das Phänomen der sogenannten „Overcompliance“ hat mich dabei besonders beschäftigt: Europäische Banken und Unternehmen, die US-Sanktionen übererfüllen — also auch auf Transaktionen reagieren, die rein innereuropäisch sind, ohne jeden Bezug zu den USA. Nicht weil sie müssen. Sondern weil das Risiko, ins politische Fadenkreuz zu geraten, größer erscheint als das Risiko, individuell verklagt zu werden. Das ist keine Paranoia. Das ist Kalkül. Und es zeigt, wie tief die Abhängigkeit bereits sitzt.


Was das mit mir zu tun hat. Und mit Haltung.

Ich betreibe seit Jahren einen kleinen, stillen Boykott. Nicht als Kreuzzug, nicht als Predigt — einfach als persönliche Konsequenz aus dem, was ich für richtig halte. Wer mich kennt, weiß: Amazon liefert bei mir nicht. Das ist seit Jahren Praxis, fast hundertprozentig konsequent (das „fast“ verdanke ich gelegentlichen Geschenken von Menschen, die es gut meinen). Meta und Microsoft versuche ich ebenfalls zu meiden, was meistens klappt — und manchmal eben nicht.

Beim Rest bin ich — ehrlich gesagt — noch im Umbau. Was ich bisher umgestellt habe:

Messenger: Signal statt WhatsApp. Funktioniert prima, wenn das Gegenüber mitzieht. Tut es oft nicht. Trotzdem.

Website und Hosting: all-inkl statt irgendwas aus dem US-Cloudirgendwo. Deutsches Unternehmen, DSGVO-konform, verlässlich.

Filesharing und Zusammenarbeit: Nextcloud, selbst gehostet. Ersetzt Google Drive, iCloud, Dropbox. Läuft.

Videokonferenz: Nextcloud Talk statt Teams oder Zoom. Theoretisch. In der Praxis hängt’s am Gegenüber — und da läuft erfahrungsgemäß immer noch Teams. Ich arbeite dran.

Analytics: Matomo statt Google Analytics. Sauber, datensparsam, alles unter Kontrolle.

Social Media: Mastodon statt Facebook, Instagram und Co. Läuft nicht wirklich. Was nicht daran liegt, dass Mastodon schlecht wäre — sondern daran, dass die Leute, mit denen ich reden will, noch woanders sind. Das ist das eigentliche Problem bei Netzwerkeffekten.

Ich erzähle das nicht, um mir auf die Schulter zu klopfen. Und schon gar nicht, um anderen zu sagen, was sie zu tun haben. Ich kenne das Schulmeisters-Syndrom — und ich versuche, es zu vermeiden. Was ich tue, tue ich aus Überzeugung. Weil mir Datensouveränität wichtig ist. Weil ich finde, dass digitale Abhängigkeit von Konzernen, deren Eigentümer autoritäre Bewegungen finanzieren, keine Kleinigkeit ist. Und weil Haltung nur dann etwas wert ist, wenn man bereit ist, dafür einen Preis zu zahlen — auch wenn der manchmal nur Bequemlichkeit kostet.

In meiner Arbeit versuche ich, das einzufließen zu lassen. Nicht als Agenda-Punkt, sondern als Gesprächsangebot. Wer Interesse hat, fragt. Wer nicht, muss nicht.


Digital Independence Day: Schritt für Schritt. Aber los.

Es gibt eine Initiative, die ich gerne erwähnen möchte: den Digital Independence Day — kurz DID oder Di.Day. Der Autor Marc Uwe Kling (ja, der mit den Känguru-Chroniken) hat ihn mitinitiiert. Jeden ersten Sonntag im Monat soll ein kleiner Wechsel stattfinden — weg von einem großen US-Konzernprodukt, hin zu einer Alternative, die Datenschutz und Demokratieverträglichkeit ernst nimmt. Mehr Informationen gibt es auf di.day und — ausführlich — auf Wikipedia.

Der Ansatz gefällt mir, weil er nicht mit dem erhobenen Zeigefinger arbeitet. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles umzuwerfen. Es geht darum, überhaupt anzufangen. Einen Schritt. Dann vielleicht noch einen.

OpenStreetMap statt Google Maps. LibreOffice statt Word. Wero statt PayPal. Das sind keine revolutionären Akte. Das sind Entscheidungen, die sich summieren — wenn genug Menschen sie treffen.

Dirk Walbrühl schreibt bei Perspective Daily einen Satz, der das gut zusammenfasst: Digitale Souveränität sei „keine IT-Frage mehr, sondern eine Frage politischer Selbstbestimmung.“ Ich würde unterschreiben.

Der nächste Digital Independence Day ist am 7. Juni 2026. Genug Zeit, um sich einen Schritt zu überlegen.


Ich stehe heute manchmal bewusst im Regen. Das Beitragsbild oben zeigt den Herrngarten in Darmstadt — aufgenommen heute Morgen von der Webcam auf darmstadt-ost. Grau, nass, trotzdem schön. Ein guter Tag, um über Abhängigkeiten nachzudenken.


Inspiriert von: Johanna Jürgens und Clara Suchy: „Erst sperrten sie ihre Kreditkarte, dann Amazon, Airbnb und den Rest“, DIE ZEIT Nr. 18/2026 Dirk Walbrühl: „Nach diesem Text deinstallierst du deine US-Software“, Perspective Daily, 11. Mai 2026 (perspective-daily.de/article/4542/)

Das Feuer, die Geschichte und die Stille danach

Was Content Marketing wirklich ist — und warum man das am besten neben einem Sarg versteht

In den Neunzigern sagten viele in meiner Bubble stolz: „Ich mach‘ was mit Werbung.“ Das klang nach Zukunft. Nach Kreativität. Pferdeschwanz und Cabrio. Nach dem großen Spiel.

Ich hab das nie so recht geglaubt, nie gesagt und eher kritisch betrachtet.

Nicht weil ich Werbung nicht verstanden hätte — sondern weil ich von Anfang an das Gefühl nicht loswurde, dass da irgendjemand versucht, mir etwas unterzujubeln, was ich nicht wirklich brauche, in einer Sprache, die ich so nicht gesprochen habe. Also haben ich den Kurs ich Richtung Marketing korrigiert. Zum echten Marketing. Für kleine Unternehmen, deren Wohl und Fortbestand mir tatsächlich am Herzen lagen. Mittelständische Betriebe, die ich ein bisschen teilhaben lassen wollte an dem, was sonst nur in den Hochglanz-Strategiepapieren der großen Agenturen stand.

Irgendwann war mir aber auch das zu viel. Für mein Verständnis zu viel Möchtegern-Wissenschaft. Zu viele Frameworks, die sich selbst feierten. Also habe ich den Schwerpunkt noch mal verschoben — in Richtung Kommunikation. Weil Kommunikation das ist, was alles zusammenhält. Wie die eckige Klammer in unserem Logo, die seit 20 Jahren dafür steht, was wir alles machen.

Das war alles vor vielen Jahren. Man lernt in der Zeit das eine oder andere.


Wenn ich heute über Content Marketing nachdenke, fange ich nicht mit einem Funnel an. Ich fange mit einem Feuer an.

Schon in den frühesten menschlichen Gemeinschaften sammelten sich die Menschen dort, wo die besten Geschichten erzählt wurden. Nicht beim hellsten Feuer. Nicht beim größten. Bei dem, an dem jemand saß, der erzählen konnte. Der die Dinge so beschrieb, dass man sie sah, roch, verstand — auch wenn man selbst nie dort gewesen war.

Das ist, im Kern, Content Marketing.

Alles andere — die Customer Journeys, die Conversion Funnels, die SEO-Scores, die Lead Magnets — das ist das Holz, das man braucht, damit das Feuer nicht ausgeht. Aber das Feuer selbst? Das ist immer noch die Geschichte.

Das klingt vielleicht nach einem dieser Sätze, die Leute auf beige Leinwand drucken und über ihren Schreibtisch hängen. Aber ich meine das buchstäblich. In einer Welt, in der jeder Mensch täglich tausenden Informationsreize ausgesetzt ist – oder wird – und in Sekundenbruchteilen entscheiden muss, was er an sich heranlässt und was nicht — funktioniert Wissen, Expertise und jede Form von zielgerichteter Kommunikation dann am besten, wenn sie in eine Geschichte eingebettet ist. Eine Geschichte, die Menschen nicht nur verstehen, sondern die ihnen hilft, eine Welt zu begreifen, die sich immer schneller dreht.


Ich arbeite seit gut zwanzig Jahren für Bestatter. Nicht für alle — für die guten.

Für die, die morgens aufstehen und wissen, dass dieser Tag für mindestens eine Familie der schwerste des Jahres sein wird. Die trotzdem da sind. Ruhig. Präzise. Menschlich. Die mit echter Empathie und echter Qualität ihren Beruf ausüben und dabei gleichzeitig so bodenständig und praktisch sind, dass Marketing-Theorie aus dem Universitätshörsaal bei ihnen wenig Resonanz erzeugt.

Das ist keine Kritik. Das ist eine Qualität.

Denn wer jeden Tag mit dem Tod arbeitet, hat keine Zeit für Selbstdarstellung um der Selbstdarstellung willen. Bei Bestattern zählt Authentizität — nicht weil es gerade im Trend liegt, sondern weil es die einzige Währung ist, die in diesem Beruf gilt. Wer in den schwersten Momenten eines Menschenlebens erscheint, muss echt sein. Wer nicht echt ist, fliegt sofort auf.

Und genau deswegen erzählen wir Geschichten.

Es gibt in der Kommunikationswissenschaft den Begriff der Brücke — und ich mag ihn, weil er etwas sehr Konkretes beschreibt. Guter Content baut eine Brücke. Vom Problem des Menschen zur Lösung. Vom Schmerz zur Erleichterung. Von der Panik zur Beruhigung.

Klingt simpel. Ist es auch. Und trotzdem scheitern die meisten daran.

Der typische Fehler: Man produziert Inhalte, die Menschen ansprechen, die sich allgemein für ein Thema interessieren — aber nicht Menschen, die gerade jetzt, in dieser Woche, eine Entscheidung treffen müssen. Der Klempner, der Tipps zum Thema Wassersparen schreibt, erreicht Leute, die sich für Nachhaltigkeit interessieren. Nicht unbedingt die Leute, deren Heizung gerade gluckert und die um drei Uhr nachts jemanden suchen, dem sie vertrauen können.

Für Bestatter ist diese Unterscheidung noch schärfer.

Man kann über Trauerpsychologie schreiben. Über Bestattungsarten in verschiedenen Kulturen. Über die Geschichte des deutschen Friedhofswesens. Das ist alles interessant — und wird auch gelesen. Aber wer liest das? Menschen, die sich allgemein mit dem Thema Tod beschäftigen. Nicht notwendigerweise Menschen, die gerade eben die Nachricht bekommen haben, dass jemand gestorben ist, und jetzt nicht wissen, was sie als Erstes tun sollen.

Die Brücke für Bestatter heißt: Was passiert, wenn jemand stirbt? Wen rufe ich wann an? Wer hilft mir bei den Formalitäten? Und wie finde ich jemanden, dem ich in diesem Moment vertrauen kann?

Das ist der Moment, in dem jemand sucht — nicht aus Neugier, sondern aus echter Not. Und genau in diesem Moment muss man da sein. Klar. Ruhig. Hilfreich. Menschlich. Mit einer Geschichte, die nicht nach Marketing riecht.

Meine Kundinnen und Kunden in der Bestattungsbranche sind dreißig, vierzig, fünfzig, über sechzig Jahre alt. Die Jüngeren haben manchmal mehr digitale Verve, die Älteren manchmal mehr Erfahrung im Umgang mit Trauer — aber alle eint dasselbe: Sie vertrauen mir ihr Marketing und ihre Kommunikation an und fahren damit, soweit ich das beurteilen kann, recht entspannt und erfolgreich.

Das hat weniger mit meiner Person zu tun als mit einem simplen Prinzip: Wenn jemand vierzig Jahre lang dasselbe Handwerk betreibt, hat er irgendwann aufgehört, sich selbst zu beeindrucken. Er macht einfach, was funktioniert. Und was funktioniert, ist selten das Komplizierte.

Was funktioniert, ist die echte Geschichte.

Die Geschichte des Bestatters, der seit dreißig Jahren denselben Gottesacker kennt und jeden Stein mit einem Namen verbinden kann. Die Geschichte der Mitarbeiterin, die gelernt hat, wie man eine Mutter in den Arm nimmt, die gerade ihren Sohn verloren hat. Die Geschichte des Familienbetriebs, der seit vier Generationen für dieselbe Kleinstadt da ist — und der das nicht groß kommuniziert, weil in der Stadt jeder weiß, dass es so ist.

Keine Hollywood-Dramaturgie. Keine künstliche Rührseligkeit. Nur das Echte.

Denn das Echte ist das, was hängenbleibt.

Es gibt in der aktuellen Debatte über Content Marketing eine Frage, die immer drängender wird: Was macht man, wenn Algorithmen und künstliche Intelligenz immer mehr Informationen automatisch zusammenfassen und beantworten — bevor der Mensch überhaupt auf der Website landet?

Die Antwort, die ich für richtig halte: Man produziert Inhalte, die keine Maschine replizieren kann.

Vorher-Nachher-Geschichten aus echten Projekten. Kundenstimmen, die man hören kann, nicht nur lesen. Das Gesicht des Handwerkers, der seit zwanzig Jahren dasselbe macht und genau deswegen weiß, wann es schiefgeht. Die Emotion der Familie, die am Ende sagt: Hier haben wir uns gut aufgehoben gefühlt.

Für Bestatter ist das keine Strategie. Das ist eine Selbstverständlichkeit.

Bestatter können keine Preiskampagnen fahren: „20% auf alles ausser…“. Keine Rabatt-Aktionen: Kauf drei Särge und du kriegst den günstigsten umsonst… „Happy-Hour – von 18 bis 19 Uhr 10% auf alle Urnen.“ etc. pp.
Bestatter können ihre Kunden nicht vor eine Kamera zerren, damit sie das Testimonial geben und erzählen, wie gut aufgehoben sie sich in diesem Moment fühlen.

Die Liste, was alles nicht geht ist lang.

Aber man kann zeigen, wer man ist. Wie man arbeitet. Wie man mit Menschen umgeht. Man kann dem Menschen, der nachts um zwei Uhr nicht schlafen kann und auf einer Bestatterwebsite landet, das Gefühl geben: Hier bin ich richtig. Hier sind Menschen. Die wissen, was ich gerade durchmache.

Das ist Content Marketing.

Das ist auch: das älteste Kommunikationshandwerk der Welt.

Ich bin kein Freund von großen Schlussfolgerungen. Gedanken dürfen ruhig offen enden.

Aber eines stört mich nach wie vor, und ich werde es trotz aller Lebenserfahrung nicht los: der Satz „Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sind.“ Den habe ich in vierzig Jahren so oft gehört, dass er mich inzwischen körperlich schmerzt. Nicht weil er falsch wäre — sondern weil er so gründlich falsch gedacht wird.

Man holt Menschen nicht ab wie ein Paket.

Man sitzt mit ihnen am Feuer. Man erzählt. Man hört zu. Man gibt ihnen das Gefühl, dass das, was sie gerade beschäftigt — Schmerz, Trauer, Unsicherheit, Entscheidungsdruck — wirklich gesehen wird.

Das ist das Feuer.

Alles andere ist nur Holz.