Verfügbar war ich immer. Resonant nicht.
Es gibt diesen einen Moment, in dem ein Leben, von dem du dachtest, du hättest es im Griff, es sei solide gebaut – würde immer so weitergehen – sich als Trugschluß entpuppt. Dahinter: Nix.
Es gibt diesen einen Moment, in dem ein Leben, von dem du dachtest, du hättest es im Griff, es sei solide gebaut – würde immer so weitergehen – sich als Trugschluß entpuppt. Dahinter: Nix.
Geburtstage haben die — manchmal unangenehme — unangenehme Eigenschaft, ehrlich zu sein. Nicht nur wegen der Anzahl Kerzen auf dem Kuchen — die zähle ich schon lange nicht mehr — sondern wegen der Dinge, die Menschen sagen, wenn sie das Gefühl haben, jetzt darf es einfach mal raus.
Vorhang auf: ein Nationalpark, ein wildes Ökosystem – und ein einzelner Wolf, der unerwartet zum Symbol für ein anderes Führungsmodell wird.
Es gibt Sätze, die ich nicht mehr hören kann. Nicht weil sie falsch wären. Nicht weil ich sie nicht verstehe. Sondern weil sie so oft als Deckel benutzt werden, um Töpfe zuzuhalten, unter denen gar nichts kocht. „Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sind.“ „Wir dürfen niemanden verlieren.“ Ich kenne diese Sätze. Ich habe diese Sätze selbst gesagt. Und irgendwann habe ich aufgehört, sie zu sagen – weil mir aufgefallen ist, dass sie in erschreckend vielen Gesprächen nicht als Einladung zur Empathie gemeint waren, sondern als Einladung zum Stillstand. Als elegante Begründung dafür, dass man eben nichts tun muss. Nichts verändern. Nichts wagen. Weil: die anderen kommen ja noch nicht mal mit. Dabei ist die Frage, die dahintersteckt, eigentlich eine der interessantesten überhaupt: Welche Geschwindigkeit ist die richtige? Ich spreche schnell. Das ist bekannt. Ich denke beim Sprechen. Oder: Ich spreche, während ich denke. Das ist nicht dasselbe, klingt aber oft so. Wer mir beim Reden zuschaut, sieht manchmal einen Menschen, der seinen eigenen Gedanken um eine halbe Sekunde hinterherläuft – und trotzdem, …
Heute Morgen stand ich auf meinem Balkon. Die Sonne kam gerade über den Horizont gekrochen, noch ein bisschen verschlafen, wie ich selbst. Und dann kam er wieder, dieser Gedanke, der mich immer wieder überfällt wie ein ungebetener, aber hartnäckiger Gast: Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte hatten so viele Menschen Zugang zu so viel Wissen. Und trotzdem – oder gerade deswegen? – klafft eine riesige Lücke zwischen unseren Werten und unserem Handeln.
Im Oktober 2021 kündigte Mark Zuckerberg an, Facebook werde zu „Meta“.Er meinte das wörtlich. Denn seine Zukunftsvision war klar: ein allumfassendes „Metaverse“, eine digitale Parallelwelt für Arbeit, Freizeit und Begegnung. Klingt innovativ – ist aber vor allem eins: ein Albtraum in VR.
Der Algorithmus entscheidet, wen ich sehe – und wer mich sieht. Wer nicht liked, verschwindet. Wer kommentiert, wird sichtbar. Soziale Nähe wird simuliert. Stories, Emojis, Sticker – alles für die Interaktion. Doch was fehlt, ist: Begegnung.
Meta sammelt nicht nur, was du postest. Sondern auch: Aufenthaltsorte, Chatverhalten, Klicks, Pausen und Scrollrichtung. Daraus entstehen Schattenprofile.
Zu Beginn meiner Facebook-Karriere folgte ich Leuten und bekam deren Beiträge angezeigt. Beiträge, die mir gefallen haben, belohnte ich mit einem „Daumen hoch“. Und schwups, tauchten Beiträge von diesen Personen häufiger in meinem Feed auf. Soweit so gut, das wollte ich ja auch. Aber…
Am kommenden Dienstag feiert meine persönliche Social Media-Karriere ihren elften Jahrestag. Und auch wenn ich auf viele schöne Jahre dieser Beziehung zurückblicke, werde ich mich von einem Teil von ihr trennen. Nicht emotional, spontan – sondern als Ergebnis langer, intensiver Überlegungen. Die Rede ist von „X“ – ehemals Twitter. Ich sage: Ade X.