Erbsen

Freundschaft ist, wenn man jemanden mag. Und vertraut. Und wenn man gemeinsam Zeit verbringt, Dinge tut. Gemeinsame Ziele hat. Gemeinsam anpackt. Und auch mal Fünfe gerade sein lässt. Auf Freunde ist Verlass. Freundschaft ist eine großartige Konstante. Freundschaft schätzt man. Das ist wichtig. Da ist man nicht kleinlich und verzeiht auch mal ein bisschen schneller als sonst.

Freunde kommen nie auf die Idee, kleinkariert nach zu rechnen, wer jetzt wen wie oft angerufen, abgeholt oder nach Hause gefahren hat. Zumindest nicht ernsthaft 😉 Keine Chance für Erbsenzähler!Vor vielen Jahren habe ich einmal Buch geführt: fast zehn Monate lang notiert, wer was bezahlt hat – mit meinem damals besten Freund und Geschäftspartner. Ich war mehr so der Barzahler (Mittagessen, Kneipe, Zigaretten, Mautstationen, Kinokassen etc.), er eher der Kreditkartentyp (Geschäftsreisen, Urlaube etc.). Fünf Seiten (3-spaltig) später, in Summe satt vierstellig, gab es tatsächlich eine Differenz: 14,94 DM.

Daran denke ich in den letzten Monaten oft. Warum? Weil ich mir viele Gedanken über meine Agentur mache, meine Kunden. Meine Mitarbeiter. Und, wie es noch besser laufen kann. Ich suche nicht Perfektion. Ich suche das Beste!

Was ist die beste Lösung?

Dem Zahlenmenschen und Beamtenkind in mir liegen Zahlen. Ich habe ein gutes Gefühl für Zahlen. Sehe oft Fehler, ohne Nachrechnen zu müssen. Und wenn ich dann doch nachrechne ist es beruhigend, das Gefühl mit echten Fakten absichern zu können. Ist aber oft eine mühsame Arbeit. Früher hat es mich bestätigt, wenn am Ende der großen Rechnung das rauskam, was ich auf den ersten Blick schon grob so angenommen habe. Und einer muss ja die Erbsen zählen…

Heute geht mir die Erbsenzählerei mächtig auf den Nerv! Die Mitarbeiterreports in meiner Agentur, umgangssprachig Stundenzettel, reichen gefühlt aneinandergeklebt von hier bis zum Mond. Alles akkurat erfasst, wer wan was gemacht hat. Intern wie Extern: OBs für Zeiten „Ohne Berechnung“, WBs für „weiterbetechenbare Zeiten“ verbucht auf Kundenjobs.

Ja, Zeiterfassung ist ein wichtiger Baustein für das Controlling.

Kreativität ist nicht mit Zeit zu messen. Haha, der ist nicht neu! Wir kennen alle das Bild von der Idee, die einem morgens vorm Spiegel beim Rasieren gekommen ist. Wie ist die monetär zu bewerten. Zumal die Zeiterfassung „auf Arbeit“ ja noch gar nicht angefangen hat. Und auch gegen Ende eines Projektes lassen wir nicht den Stift fallen und nach Hause gehen, nur weil das Budget verbraucht ist.

Erbsenzählerei hilft nur, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Aber genau das versuchen wir – erfolgreich übrigens – jeden Tag zu vermeiden. Ab und an hilft es auch, eine „Ehrenrunde“ zu dokumentieren oder einen wilden Zick-Zack-Kurs in einem Projekt als Grund für eine Nachberechnung hinzuzuziehen. Aber mal ehrlich: Leiden kann das doch niemand, oder? Außer den Agenturen, die beispielsweise einen kleinen Folder für 2.000 € anbieten und wissen, mit Autorenkorrekturen etc. weitere 10.000 € in Rechnung zu stellen. Ja, das ist bei manchen Geschäftsmodell. Sehr erfolgreich, wie man hört. Mein Ding ist das nicht und wird es auch nie werden.

Zur Nachkalkulation ist Zeiterfassung sicherlich hilfreich. Aber mal ernsthaft: Sind nicht viele Projekte, Kunden, Aufgaben so individuell, dass sich nur sehr wenig mit dieser Rückschau anfangen lässt?

Mein Job ist es, anständig zu planen

Im Vorfeld einer Produktion bedarf es einem klaren Briefing: was ist das Ziel und wie kommen wir da – gemeinsam – hin. Ressourcen werden geplant, wer macht wann was wie und irgendwann steht „unten rechts“ eine Zahl. Und wenn der Kunde die freigibt, ist aus einem Angebot ein Auftrag geworden. Yes!

Als Projektleiter ist es meine Verantwortung, pünktlich gemäß Auftragsbeschreibung zu liefern. Klick um zu Tweeten
Und wenn dann auf der Rechnung die gleiche Zahl „unten rechts“ steht wie im Angebot, sind alle glücklich. Fertig.

Kommunikation ist ein Prozess

Homepage, Landingpage, E-Mail-Newsletter, Anzeigen, Broschüren, Direct-Mailings & Co. sind Mosaiksteine im großen Bild der Unternehmenskommunikation. Das Gesamte lässt sich in einzelne Projekte zerlegen. Aber in Summe ist es ein Prozess. Ein ständiges Überprüfen und Nachjustieren. Nicht mit der Flinte in den dunklen Wald schießen und weglaufen, wird schon irgendwas treffen. Nein, wir planen, machen, überprüfen, messen, bewerten, justieren nach und planen neu, machen, …

Kontinuität statt Einzelprojekt

Ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt führt häufig zum nächsten Auftrag. Und dann noch einer und noch einer. Dank unserer 360-Grad-rund-um-sorglos-Philosophie decken wir nahezu alle Disziplinen ab, die ein kleines Unternehmen benötigt. Was mit einem ersten Auftrag begann, wird so mit jedem weiteren gemeinsamen Projekt in Summe zu dem, was man Unternehmenskommunikation oder gar Marketing nennt. Diese Kontinuität dient unseren Kunden und wird hoch geschätzt. Und mit der Auftragshäufigkeit wächst die Agentur-Kunden-Beziehung.

Was hat Marketing mit Freundschaft zu tun?

Wenn, vereinfacht gesagt, die Summe von (Kommunikations-) Projekten ergänzt durch die anderen „P“s des Marketing für Kontinuität sorgen, sind wir von den eingangs beschriebenen Elementen – Was ist Freundschaft? – nicht mehr weit entfernt.

Bei fast allen unserer Kunden sind Inhaber und/oder Geschäftsführer unsere Ansprechpartner. Neben der formalen Kunden-Agentur-Beziehung gibt es natürlich auch die menschliche Ebene. Und in den meisten Fällen führt das dazu, dass gemeinsames Arbeiten, gemeinsame Erfolge auch die beteiligten Menschen im Laufe der Zeit „zusammenrücken lassen“.

Aus Kunden werden Freunde

Im tagtäglichen Sprachgebrauch kennen wir Begriffe wie Geschäftspartner oder Geschäftfreunde. Über den eigentlichen Wortsinn macht sich aber kaum noch jemand Gedanken. Wenn ich aber mein Adressbuch durchgehe und mir unsere Kunden anschaue stelle ich fest, dass aus vielen Kunden Freunde geworden sind. Das ist keine Phrase, sondern gewachsene Entwicklung entlang gemeinsamer Arbeit.

Die beste Lösung ist Freundschaft – Schluss mit Erbsen zählen

Schluss mit Erbsen zählen

Schluss mit Erbsen zählen

Die Erfahrung zeigt, dass sich Kontinuität auszahlt: Die erfolgreichste Arbeit liefern wir in der Agentur, wenn wir nicht strohfeuerartig in Einzelprojekten denken, sondern (für unsere Kunden) kontinuierlich, da sind, arbeiten, kommunizieren und Projekte realisieren…

Viele unsere Aufgaben sind Monat für Monat im Grundsatz gleich:

  1. Online-Auswerungen,
  2. Suchmaschinenoptimierung,
  3. Erstellung von Inhalten (Beiträgen, Seiten und Landingpages),
  4. Logos und Geschäftsausstattung nebst Formularen,
  5. Anzeigen,
  6. Folder und Broschüren,
  7. Kataloge,
  8. Veranstaltungen,
  9. Werbemittel,
  10. Beratung,
  11. Schulungen,
  12. Projektmanagement etc. pp.

So kommen wir im Schnitt auf 30 bis 50 Stunden im Monat je Kunde (Danke Stundenzettel 😉 Nehmen wir der Einfachheit halber 40 Monatsstunden zu einem Honorar von beispielsweise 80 € kommen wir auf 3.200 €. Mit zehn Kunden wären unsere Kosten allemal gedeckt. Weil aber auch immer mal etwas Ungeplantes hinzukommt und ich uns nicht permanent über 100% beanspruchen will, plane ich eine Auslastung von 80 % frei nach Gunter Dueck (hier seine Keynote re:publica15, ab zirka 14. Minute).

Jetzt spare ich mir die ganze Erbsenzählerei

  • Zeiterfassung jeden Handgriffs über siebeneinhalb Minuten,
  • Stundenzettel,
  • Monatsreports,
  • Abschlagszahlungen,
  • Jahresabschlussrechnungen und
  • Angebote, bei den das Angeboterstellen mehr Zeitaufwand darstellt, als die beschriebene Leistung.

Weiterhin mache ich nicht den Fehler, den wir beispielsweise aus Handieverträgen kennen: viel Kleingedrucktes, unüberschaubare Tarife und 24 Monate Laufzeit. Nein, wir treten jeden Tag an, das beste zu geben und Kunden zu begeistern. Bedeutet: keine zig Seiten kleingedruckte AGBs, kein Tarifdschungel, Kündigungsfrist sechs Wochen.

Freunde statt Kunden

Jetzt besprechen wir mit unseren Freunden, was monatlich anliegt und welche Aktionen im Jahr geplant sind und wie wir diese ausgestalten und was zu produzieren ist. Und jetzt brauch‘ ich nur noch acht Freunde. Und die bekommen dann ihre individuelle Flat-Rate. Bei Interesse verweise ich hier auf unsere Tarife zukünftiger Rahmenvereinbarungen.

Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: Nein, wir haben nichts gegen neue Kunden und Einzelprojekte, ob Veranstaltung, Geschäftsbericht oder Katalog… (Siehe oben: „Ungeplantes“).

Ich starte heute, am Montag den 4. Januar in das neue Jahr 2016 und freue mich, bestehende Freundschaften aufrecht zu erhalten, zu pflegen und auszubauen. Und auch auf den/die eine(n) oder andere(n) neue(n) Freund/Freundin.

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