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Poetry Slam – Gesundheit

hessen slam Buch

Poetry Slam, zum erstenmal gehört vor acht oder zehn Jahren, klang für mich immer irgendwie wie „Hatt-Schieeee!“ – also erstmal „Gesundheit“ gewünscht!

Aber an die Veranstaltung, bei der ich davon zum ersten Mal gehört habe, kann ich mich noch sehr gut erinnern: Auf Einladung eines Fachmagazins – oder war es doch ein Verband? – saßen vielleicht 500 illustre Gesellen aus Werbung, Marketing und PR pfauenartig (Ronaldo, ihr wisst schon) beisammen.

Sehen und gesehen werden

Also eigentlich alle, die ihr nicht ganz sooo trockenes Brot mindestens in einer Werbeagentur, PR-Agentur, Mediaagentur, Eventagentur, bestenfalls in einer Multimedia- (heute : Internet-/Online-) Agentur oder – wow – einem internationalen Marketing-Network (Bullshit-Bingo), schlimmstenfalls sogar in einem Verlag, bestenfalls aber dann doch in einer Unternehmensberatung oder als Selbstständige ihr Geld verdient – oder auch nicht, sicher aber bekommen – haben.

Alle wichtigen sind beisammen

So saßen wir also sellemals einträchtig und wichtig, wichtig, im Süden Frankfurts in einer der angesagtesten  Eventlocations traut beisammen: Eintrittspreise egal – keine Ahnung. Hatten ja ne Einladung (alle?). Woher? Verzeihung hohes Gericht, ist mir jetzt gerade leider irgendwie – sie wissen schon, Helmut Kohl /Black-Out- wirklich entfallen…

Auf der Bühne schätzungsweise fünf Kandidaten, die in jeweils zehn Minuten Ihr Konzept vorstellen durften. Abgestimmt wurde nicht mit den Füßen, wie wir es von anständigen Verbrauchern kennen. Nein, hier wurde per Visitenkarte abgestimmt –  in umhergehende Hüte. Jedes Kärtchen ein Zähler. So ähnlich kennen wir das ja auch schon früher vom sonntäglichen Kirchgang mit dem Klingelkorb: wenn’s klingelt gut – rascheln ist besser!

Ich erinnere mich eines ehemaligen Nachwuchslieferanten, zwischenzeitlich zu beachtlicher Größe im deutschen Event- und Promotiongeschäft katapultiert, der als Hausmeister verkleidet aus dem (seinem Agentur-) Nähkästchen geplaudert hat  – Fazit: Mailings, Mailings, Mailings! (Als hätte er schon damals Provision auf Briefmarken bekommen!)

Rapper ohne alles – aber qualitativ ganz weit vorne

Am meisten hat mich aber der „Thomas Gottschalk dieser Nicht-Wetten-Das-Show“ begeistert: Ein, in diesem Auditorium schnell auffallender Super-Sympath, bisschen jünger als ich, meine Figuar aber locker einen Kopf länger. Wow! Alex Dreppec. Denn während seiner Moderation gab er eigene „Beiträge“ (?) zum Besten, die – für mich daherkamen – wie Sprechgesang ohne singen oder wie Rapp ohne Instrumente oder besser: Rapper ohne Goldkettchen, brennende Ölfässer und Schnitten. Das zu tief Beeindruckendste aber war, der Mann hat Worte in einem Tempo vorgetragen, die alle den gleichen Anfangsbuchstaben hatten… Und auch noch Sinn ergeben haben – mit Humor und Tiefgang! Und wenn ich ehrlich sein darf: Der Mann sprach nicht nur meine Muttersprache – er konnte auf Ihrer Klaviatur auch bravourös spielen!

Poetry Slam – habe ich damals gelernt – war eine Kunstform öffentlich im Wettbewerb dargebotener Literatur meist junger Künstler zu festen Regularien: Jeder hat fünf Minuten (dann wird das Mikro abgeschaltet), keine Staffage/Dekoration auf der Bühne und das Publikum wählt qua Applausstärke den Sieger. Als das Ding dann in der Centralstation in Darmstadt als „Dichterschlacht“ im Programm stand war für mich die Sache geklärt, ich wusste, was Sache ist, Schublade zu – fertig!

Pause.

Heute durfte ich im Literaturhaus erfahren, dass meine oben genannten (fast zehn Jahre alten) Erkenntnise „eher rudimentärer Qualität“ entsprachen und ich eine total spannnde Kunstform fast verpennt hätte: Verdammte Axt!

Gefühlt 20 Jahre später – heute – habe ich ihn wieder gesehen: Bei der Lesung im Literaturhaus HESSENSLAM – Das Buch

Mit meinen gefühlt 50 Jahren war ich absolutes Mittelmaß (nicht Meridian): einer war vielleicht Mitte 70, die meisten anderen eher in den 20/30ern.

Poetry Slam kennen wir ja nun schon ewig

Titelseite Buch: „HESSEN SLAM - DAS BUCH“

Titelseite Buch: „HESSEN SLAM – DAS BUCH“

Danke Julia Engelmann, der ich schon im Januar 2014 hier in meinem Blog einen Beitrag gewidmet habe. Seit dem sollte eigentlich jeder wissen, dass ein Slammer nicht zwangsläufig was mit Tequilla zu tun hat.
Ich für meinen Teil danke den Organisatoren, den Herausgebern, den Künstlern und natürlich meinen beiden Kumpels, die mich im Anschluss noch auf ein Bier im Schlossgarten eingeladen haben. Ich hatte ja mein ganzes Taschengeld (10€) bereits in Künstlerförderungsprogramm investiert 😉
Heute Abend gab es also eher Autorenlesung denn „Dichterschlacht“.
Danke den Herausgebern (und auftretenden Künstlern) Tilman Döring und Marvin Ruppert sowie Alex Dreppec, Jule Weber und Dalibor Markovic.

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