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Was wählt der Wolf? 

Zuletzt aktualisiert am 3. Januar 2026 um 11:53

Nächsten Sonntag sind Bundestagswahlen. Ich habe bereits per Briefwahl gewählt und dem heutigen Sonntag der Frage gewidmet: Was wählt der Wolf? 

Ich habe nahezu 50 Jahre aus meinem Leben versucht zusammenzufassen, die mich dahin gebracht haben, wo ich heute bin. Und das will ich nun teilen:

Ich fang ganz vorne an – mit meiner Kindheit

Ich hatte das Glück und das Privileg, eine traumhafte Kindheit zu haben mit all dem, was man ein schönes und sicheres Nest nennt. Politik spielte bei uns zu Hause keine große Rolle – außer vielleicht, dass Wahlrecht auch eine Bürgerpflicht ist.

Ich komme aus einem zur damaligen Zeit klassischen Elternhaus: der Vater Beamter, die Mutter Hausfrau. Und ich würde es mal zur damaligen Zeit als sozial-liberales Umfeld bezeichnen. Und da das Wahlgeheimnis ein hohes Gut war, haben wir nie darüber gesprochen, was meine Eltern gewählt haben. 

Jugend: Der kleine „Nachwuchs Revoluzzer Light“

An der Grenze von Kindheit zu Jugend sind mir einige Situationen aufgefallen, bei denen ich mich sogar als kleiner „Nachwuchs Revoluzzer Light“ bezeichnen würde. Tatsächlich bekam ich meine erste Heilige Kommunion ohne jemals in einer Beichte gewesen zu sein. Auch wenn ich heute keine Ahnung habe, wie ich das angestellt habe. 

Auf meiner ersten Demo war ich mit 13. Damals ging’s um die Oberstufenreform in Hessen. „Wallmann heisst er, uns besch… er“ oder so ähnlich. Am Abend gab es zu Hause komisch Fragen, weil ich am Ende der Demonstration mit dem Minibus mitgefahren bin, der die Lautsprecher gefahren hat und der kam von der DKP. Ich wusste nicht, was DKP war, aber ich fand fahren statt laufen cool und die Leute war auch nett.

Auch eine Wahl: Mensa oder Demo statt Schule

In Richtung Abi hatte ich nur eine Angst – dass mir wegen zu viel Abwesenheitszeit möglicherweise ein Kurs für die Zulassung fehlen würde. 

In der Oberstufen-Zeit gab’s Fächer, in denen wir nicht anwesend sein mussten, wenn wir angaben, an der Stadtbahn West zum demonstrieren zu sein. Später nannte man das wohl „Demo-frei“. Was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann.

Irgendwann war ich volljährig und durfte zum ersten Mal wählen. Und auch da hatte ich Glück, weil zu meiner ersten Bundestagswahl 1983 haben sich zum ersten Mal die Grünen aufgestellt und ich konnte mit meinem Werteempfinden von Pazifismus und Ökologie eine Partei wählen, die neu war, die sich quasi gegen die alten gestellt hat, die für Erneuerung stand. Damals mit einer jungen Petra Kelly und einem alten Gerd Bastian.

Und da ich irgendwie auch zu einer gewissen Form von Kontinuität neige, waren die Grünen dann auch fast 40 Jahre lang meine politische Heimat. 

Irgendwann haben sich dann die linken ein bisschen dazu gesellt. War ursprünglich wohl auch an Sarah „Lecker-Häschen“ Wagenknecht gelegen haben mag. „Lecker-Häschen“ ist eine Hommage an Horst Schlemmer und so etwas würde ich heute weder denken, geschweige denn sagen. 

Dann, vor etwa zehn Jahre war es die Anstalt im ZDF, die es geschafft hat, mich ein wenig mehr zur Politisieren. Weil ich es unfassbar fand, dass unter dem Deckmantel des Klamauk – besser: der Satire – so viele unschöne Dinge in unserer Gesellschaft aufgedeckt wurden. Zu später Stunde lief im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unter Satire etwas, was man inhaltlich sehr wohl Realitätsbeschreibung  nennen kann. Ich erinnere mich noch dunkel an eine Folge (5. Dezember 2017), bei der es um den Pflegenotstand ging.

Ja, und dann kam Thilo. Es ist jetzt wohl sechs Jahre her. Es müsste demnach 2019 gewesen sein, als ich auf YouTube das Format „Jung & Naiv“ kennen lernte. Für mich war Tilo Jung auch ein sympathischer kleiner Revoluzzer, der sich mit den, der sich einfach sehr, sehr viele interessante Menschen vor sein Mikrofon geholt und nicht locker ließ. Und auch seine Ansichten und Positionen haben sich in den letzten Jahren entwickelt…

Dann war’s wohl im März 2019 die Übertragung der Bundespressekonferenz mit der Präsentation von „Scientists for Future“. Und was da Maja Göpel, Eckhard von Hirschhausen und Louisa Neubauer von sich gegeben haben, hat mich stark beeindruckt.

Tja und in den letzten Jahren hab ich dann irgendwann meine politische Heimat verloren. Ich weigere mich zu glauben, dass Politik eben ein schmutziges Geschäft ist und man nichts dagegen tun kann, Kompromisse halt. Aber für mich hat sich die Ampel unwürdig von der FDP vorführen lassen, was am Ende dazu führte, dass die SPD für mich (seit Schröder) nicht mehr sozial ist und die Grünen weder pazifistisch noch ökologisch sind. Kurz: die Sozen nicht mehr sozial, die Grünen nicht mehr grün genug!

Das brachte einiges ins Wanken. Gut, jetzt muss ich dazu sagen, dass ich quasi in den letzten Jahren eine Scheidung, Coaching beziehungsweise eine Therapie hinter mich gebracht habe und mich auch sehr viel mit meinem Werten beschäftigt habe. Und jetzt sehr, sehr froh und klar bin, was mir in meinem Leben wichtig ist.

Dann kam irgendwann die Linke auf die Bühne

Und wieder war es ein Interview bei Jung & Naiv. Diesmal mit dem Vorsitzenden Jan van Aken, dem ich sehr gut zugehört habe.

Spätestens seit so komischen Menschen wie Elon Musk, fand ich seine Idee, Milliardäre abzuschaffen nicht nur mehr als sympathisch, sondern einfach richtig.
Und da ich in unserer Gesellschaft eh einiges „unstimmig“ finde und mich frage, wann sich hier mal was – zum besseren – entwickelt, habe ich mich bisschen mehr mit der Partei beschäftigt.
Ein paar Mails mit einer Frau vom Kreisverband bei mir hier vor Ort und ein Frühstück (jeden zweiten Sonntag für lau) später bin ich sogar Mitglied geworden. 

Ja – was wählt der Wolf? Die Linke.

Und ich habe das Privileg zu wählen, wie ich mir meine letzten Autos gekauft habe: Ich sortiere alles aus, was für mich nicht infrage kommt und was übrig bleibt, wird’s halt. Fertig!

PS

Früher lautete eine Regel: Öffentlich wird nicht über Krankheiten und Politik geredet.
Früher war früher und heute ist heute.
Und heute halte ich es für ausgesprochen sinnvoll, öffentlich über Politik zu reden.
Auch wenn meine Rede hier wahrscheinlich kein Schwein interessiert…

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Mein Blog trägt nicht ohne Grund den Zusatz: aus-dem-Leben-eines-fast-ALLES-ein-bisschen-KÖNNERS. Ich gehöre zu den Autodidakten, die alles erst einmal selber machen müssen, um zu verstehen, was wie geht, wer was u. U. besser kann und resultierend was wie lange dauert und kostet.

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