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„Warum jetzt?“ – „Genau deshalb nicht.“

Timing - Warum jetzt?

Zuletzt aktualisiert am 3. Januar 2026 um 10:13

„Wir müssen jetzt was machen.“
Sagen Menschen oft. Mit Nachdruck.
Oder sogar mit Ausrufezeichen!
Manchmal sogar mit drei Ausrufezeichen!!!

„Warum jetzt?“
Eine gute Frage.
Und erstaunlich selten gestellt.

Denn häufig ist das eigentliche Argument nicht jetzt,
sondern endlich.


„Die Idee ist doch gut.“

Stimmt oft.
Aber gut reicht nicht.

„Dann lass sie uns doch umsetzen.“
Ja.
Aber nicht unbedingt jetzt.


„Sonst verlieren wir Zeit.“

Oder wir verlieren Wirkung.
Was deutlich teurer ist.

Timing ist nicht die Frage nach Geschwindigkeit,
sondern nach Anschlussfähigkeit.


Typische Timing-Fehler (bitte einmal innerlich nicken)

  • Starten, weil gerade Zeit ist
    Nicht, weil jemand wirklich offen dafür wäre.
  • Beteiligung anbieten, wenn alles schon entschieden ist
    Und sich dann über Zynismus wundern.
  • Veränderung ankündigen, wenn alle gerade am Limit sind
    Gute Idee, schlechter Moment.
  • Themen setzen, weil sie „dran sein müssten“
    Nicht, weil sie tatsächlich resonieren.
  • Diskussionen eröffnen, wenn Fronten längst verhärtet sind
    Das nennt man dann Dialog – fühlt sich aber nicht so an.
  • Schnell reagieren, um handlungsfähig zu wirken
    Und dabei mehr Unruhe als Klarheit erzeugen.
  • Zu lange warten, bis niemand mehr zuhört
    Auch das ist ein Timing-Problem.

„Aber irgendwas muss man doch tun.“

Ja.
Aber nicht alles sofort.

Timing heißt nicht: nichts machen.
Timing heißt: das Richtige im richtigen Moment machen.

Oder bewusst noch nicht.


„Timing kann man doch nicht planen.“

Stimmt.
Aber man kann es vermasseln – ziemlich zuverlässig.

Zum Beispiel, indem man:

  • nur auf Inhalte schaut, was alles schief läuft und verbessert werden kann
  • nur auf Prozesse achtet und Potenziale sieht, die quasi „auf der Straße liegen“
  • oder jetzt gerade ein Problem sieht und sofort lösen will nur auf den eigenen Druck hört

Und dabei übersieht, wie es den anderen gerade geht.
Das ist gerade, wenn ich als Vertriebsmitarbeiter unterwegs bin, ausgesprochen anstrengend.


„Woran merkt man denn, dass es passt?“

Gute Frage.
Ich glaube, ich habe paar Hinweise:

  • Menschen hören zu, statt sofort zu reagieren
  • Fragen zulassen, fördern, entstehen (lassen)
  • Rechtfertigungen getrost beiseite legen
  • Widerspruch zum Positiven wenden: produktiv statt abwehrend
  • Das Thema bleibt hängen, auch nach dem Termin

Das sind keine Garantien.
Aber ziemlich gute Signale.


Timing ist keine Methode. Es ist eine Haltung.

Wach sein.
Zuhören.
Spüren, wann Druck hilft – und wann er schadet.

Manchmal heißt das:
Jetzt.

Manchmal:
Noch nicht.

Und manchmal:
Lass uns warten, bis es wirklich Sinn ergibt.

Eigentlich naheliegend.
Aber eben nur, wenn man sich seiner Werte gewiss ist und einfach mal kurz innehält.

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