Du kennst mich. Ich bin ja so einer, der bei „mal kurz testen“ innerlich schon den Ordner „Dokumentation“ anlegt. Und weil ich ein alter Dinosaurier bin, der erst alles selber angreifen muss, bevor er sagt: „Aha“, hab ich mir diesen „Finde deine Werte“-Workshop als Selbstversuch reingezogen. Mit mir selbst. Klingt komisch, ist aber die natürlichste Form von Gruppendynamik, weil man sich dabei am zuverlässigsten gegenseitig in die Quere kommt.
Der Workshop heißt „Finde deine Werte“. Und dieser Titel ist so frech einfach, dass man zuerst denkt: Ja eh.
Und dann merkt man: Nein eh nicht. Weil „Werte“ sind ja nicht diese Dinger, die man wie ein neues Regal anschraubt und fertig. Werte sind eher wie so eine Wasserwaage im Kopf: Du glaubst, du bist gerade – und dann steht die Blase woanders.
Jedenfalls hat mich das in einer Phase erwischt, wo eh schon alles im Umbruch war. Da geht was zu Ende, dort fängt was an, und zwischendrin rennst du herum wie ein Handy mit 3% Akku und fragst dich, warum alle Apps gleichzeitig updaten müssen. Und dann kommt einer daher und sagt: „Werte sind ein guter Anker.“ Und ich sag: Ja eh, nur wo ist der Meeresgrund bitte.
Workshop als Selbstversuch: „Finde deine Werte“
Bevor ich überhaupt in den Workshop rein bin, hab ich natürlich erst einmal das gemacht, was man nie machen soll, wenn man sich Orientierung wünscht: ich hab recherchiert. Allgemeinwerte, kulturelle Werte, individuelle Werte – am Schluss war ich so klug, dass ich kurz davor war, mir selber einen Vortrag zu halten. Und genau da beginnt das Problem: Wissen ist nicht gleich Klarheit. Wissen ist manchmal auch nur ein schönerer Nebel.
Die Methode im Workshop ist eigentlich simpel, fast beleidigend simpel:
1) Du startest mit einer Liste von 100 Werten
Entweder nimmst du eine vorhandene – oder du bastelst dir selbst eine zusammen. Und damit du nicht bei „Pünktlichkeit“ schon in eine Lebenskrise rutschst, gibt’s als kleines Helferlein eine Werteliste mit 204 Einträgen. (Zweihundertvier. Da weißt du: Das wird kein gemütlicher Nachmittag.)
2) Dann reduzierst du
Von rund 100 auf 10. Und das ist der Moment, wo du merkst: Zehn sind wenig. Richtig wenig. Die Top10 halt. Weil die ersten 80 streichst du noch mit so einem sportlichen „passt schon“. Aber die letzten 20, die bleiben dir hängen wie Kaugummi unter dem Schuh.
3) Und dann reduzierst weiter
Von 10 auf 5.
Und ab da wird’s persönlich. Weil du nicht mehr streichst, was du „auch gut findest“, sondern was du eigentlich bist. Und plötzlich sind Werte keine hübschen Wörter mehr, sondern so kleine Spiegel, die dich anschauen und sagen: „Na? Wirklich?“
4) Und dann der Endgegner
Von 5 auf 3. Drei. Das klingt so wenig, dass man fast trotzig wird. Drei ist eine Zahl, die man sonst für Menüs benutzt. Oder für eine Bande, also drei im juristischen Sinne. Aber offenbar ist es genau darum sinnvoll: Drei sind nicht mehr verhandelbar. Drei sind… Richtung.
Und jetzt kommt der Teil, der im Workshopplan wahrscheinlich „Pause“ heißt – und in echt heißt er: Fünf Monate.
Weil genau an diesem Punkt hab ich die Liste weggepackt. Wieder rausgeholt. Wieder weggelegt. Wieder rausgeholt. Und jedes Mal hab ich gedacht: „So, jetzt bin ich sicher.“ Und jedes Mal hab ich gemerkt: Sicher bin ich vor allem darin, mir selber auszuweichen.
Fünf Monate Pause beim Selbstversuch Workshop
Aber irgendwann – so still, dass man’s fast übersieht – ist es passiert: Die drei sind übrig geblieben. Nicht, weil sie „schön“ sind. Sondern weil sie sich stimmig angefühlt haben. So stimmig, dass ich sie nicht einmal groß hinschreiben muss, um sie zu merken. Und weil du mein Ergebnis möchtest, ohne dass ich die drei Begriffe ausbuchstabiere, sag ich’s so:
- Einer davon hat mit Menschen zu tun – mit dem, was zwischen uns passiert, wenn wir es ernst meinen.
- Einer davon hat mit dem Weitermachen zu tun – nicht als Stress, sondern als Wachstumsrichtung.
- Und einer davon hat damit zu tun, dass man sich nicht davonstiehlt, wenn es drauf ankommt.
Der Nutzen vom Workshop Selbstversuch: „Finde deine Werte“
Seitdem ist es so: Wenn ich länger nicht bewusst dran denke, hol ich sie mir wieder hervor. Nicht als Moralkeule, eher wie einen Kompass. Und ja: Es ist erstaunlich, wie schnell man wieder „ja eh“ sagt – und wie gut es tut, wenn man stattdessen kurz prüft, ob die Blase in der Wasserwaage wirklich noch in der Mitte ist.
Arbeit, Arbeit, Arbeit…
Wenn du das liest und dir denkst: „Klingt gut, aber auch nach Arbeit“ – dann liegst du leider richtig. Es ist Arbeit. Aber es ist eine von den Arbeiten, die dich am Ende nicht leer macht, sondern klarer. Und für deinen Einstieg habe ich dir meine Gesamtliste_Werte zum Runterladen bereitgelegt.
Und wenn du magst: Lass uns danach mal auf einen Kaffee treffen und darüber reden, was bei dir übrig geblieben ist. Nicht als Wettbewerb („meine Werte sind wertiger als deine“), sondern als gutes Gespräch. Ich freu mich drauf.
