Autor: Jürgen Wolf

Wenn Geld leiser wird

Inflation, Kaufkraftverlust und was das für Arbeitnehmer wirklich bedeutet Ich habe nie verstanden, was Menschen dazu treibt, in großen Konzernen zu arbeiten. Das Bild vom kleinen Rädchen in der großen Maschine war für mich immer ein anderes Wort für Hamsterrad – und für den stillen Verlust von dem, was Arbeit eigentlich sein könnte. Bis Gespräche mit Freunden klargemacht haben, was dahintersteckt. Nicht Begeisterung für die Maschine. Sondern Angst vor dem, was passiert, wenn man nicht drin ist. Der Konzern als Versprechen: Sicherheit, Planbarkeit, der Geschäftswagen, die Hausfinanzierung – alles in trockenen Tüchern. Die Zukunft weniger offen, die eigene Familie weniger exponiert. Ich habe das lange nicht nachvollziehen können. Bis ich aufgehört habe, es als Schwäche zu lesen – und es als das erkannt habe, was es ist: eine rationale Antwort auf eine unsichere Welt. Nur dass diese Antwort nicht mehr stimmt. Spätestens als deutsche Vorzeige-Automobilkonzerne Werke schlossen, windige Auffanggesellschaften gründeten und Mitarbeitende mit dem beschönigenden Begriff „sozialverträglich” vor die Tür setzten, war die Illusion weg. Die gefühlte Sicherheit des Konzerns hatte einen Riss bekommen – …

Hoffnung ist eine Entscheidung

Hoffnung ist kein Gefühl – Hoffnung ist eine Entscheidung

Geburtstage haben die — manchmal unangenehme — unangenehme Eigenschaft, ehrlich zu sein. Nicht nur wegen der Anzahl Kerzen auf dem Kuchen — die zähle ich schon lange nicht mehr — sondern wegen der Dinge, die Menschen sagen, wenn sie das Gefühl haben, jetzt darf es einfach mal raus.

Jahrgang 63 wird 63 — und macht sich keine Sorgen dabei

Heute ist es soweit. Ich, Jürgen, Jahrgang 63, werde 63 Jahre alt. Addiert man beides, kommt man auf 126. Das ist ein Witz, den man nicht verstehen muss, weil es eigentlich auch gar nicht witzig ist. Aber er ist meiner, schwirrt mir schon länger durch den Kopf und ich nehm‘ ihn einfach mit.

Das kleine Hamsterrädchen und die Wissenschaft vom Umherschweifen

Das Hamsterrad kenne ich gut. Nicht als abstraktes Gesellschaftsphänomen, sondern als Haushaltsgegenstand mit eigenem Spitznamen. Wir nannten es es manchmal das kleine Hamsterrädchen — liebevoll, ein bisschen selbstironisch, weil wir wussten, dass auch wir nicht vollständig davon freigekommen waren. Wer kommt schon vollständig davon frei?

Ausloggen. Für immer. Oder wenigstens ein bisschen.

Manchmal stehe ich bewusst im Regen. Heute zum Beispiel. (Beitragsbild: Blick auf Mathildenhöhe/Hochzeitsturm, Darmstadt, 11. Mai 2026, 11:50 Uhr · Quelle: foto-webcam.eu/webcam/darmstadt-ost) Zwei Artikel haben mich heute Morgen erwischt. Nicht aufgeweckt — erwischt. Das ist ein Unterschied. Der eine ist ein Interview, das die ZEIT mit Beti Hohler geführt hat, Richterin am Internationalen Strafgerichtshof. Eine Frau, die ihren Job gemacht hat — Recht gesprochen, Haftbefehle geprüft, Verfahren begleitet — und dafür von Donald Trump persönlich auf eine Sanktionsliste gesetzt wurde. Dieselbe Liste, auf der auch Hamas-Terroristen stehen. Innerhalb von 24 Stunden waren ihre Kreditkarten gesperrt, kurz danach Amazon, PayPal, Airbnb, schließlich ihre Apple-ID. Ihr Smartphone wurde unbrauchbar. Ihr Laptop. Alles, was an US-Infrastruktur hing. Was sie darüber sagt, bleibt hängen: „Was heute noch funktioniert, funktioniert morgen vielleicht schon nicht mehr.“ (Beti Hohler, ZEIT Nr. 18/2026) Der andere Artikel kommt von Perspective Daily. Dirk Walbrühl schreibt dort klug und ohne übertriebene Hysterie darüber, warum das, was Beti Hohler passiert ist, im Prinzip jeden treffen kann. Nicht weil alle auf Sanktionslisten landen. Sondern weil die Infrastruktur, auf die wir uns …